55. Jahreshauptversammlung: Lebenshilfe Vorarlberg zieht Bilanz und stellt Weichen für die Zukunft
Am vergangenen Donnerstagabend blickte der Verein Lebenshilfe Vorarlberg im Löwensaal Hohenems im Rahmen seiner 55. Jahreshauptversammlung auf ein herausforderndes Jahr zurück und richtete gleichzeitig den Blick auf die kommenden Entwicklungen.
Das Jahr 2025 war für die Lebenshilfe Vorarlberg in besonderem Maße von den Sparvorgaben des Landes Vorarlberg geprägt. Die finanziellen Rahmenbedingungen erforderten umfassende Anpassungen – und das im laufenden Betrieb. Einsparungsmaßnahmen mussten umgesetzt, Prozesse überprüft und Strukturen teilweise neu gedacht werden. Mit Blick auf die kommenden Jahre wird deutlich, dass die Herausforderungen noch nicht bewältigt sind. Weitere angekündigte Veränderungen in der Soziallandschaft werden die Lebenshilfe Vorarlberg weiter fordern.
„Um diesen Entwicklungen zu begegnen, muss der Verein seine Organisationsstrukturen weiterentwickeln und zukunftsfit aufstellen. Unverändert bleibt dabei unser Auftrag: die Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen sowie die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Gerade in Zeiten des Wandels ist dieser Auftrag wichtiger denn je“, so Präsidentin Adriane Feurstein in ihrem Bericht.
Auch Geschäftsführerin Michaela Wagner-Braito gab einen Einblick in die herausfordernde Situation der vergangenen Monate. „Es war ein großer Kraftakt, den wir nur dank des außergewöhnlichen Engagements unserer Mitarbeiter*innen bewältigen konnten. Trotz aller Veränderungen ist es uns in der von den Sparmaßnahmen betroffenen Lebenshilfe GmbH gelungen, das Jahr 2025 gut abzuschließen. Besonders beeindruckt mich, mit welcher Verantwortung und welchem Einsatz alle dazu beigetragen haben, die Auswirkungen für unsere Klient*innen und ihre Angehörigen so gering wie möglich zu halten. Angesichts des bevorstehenden Umbaus des Sozialsystems ist es unser Ziel, unsere Erfahrung einzubringen und die Entwicklungen aktiv mitzugestalten“, betonte Wagner-Braito.
Ausblick auf Jubiläumsjahr 2027
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen gibt es Anlass zur Vorfreude: Das Jahr 2027 wird für die Lebenshilfe Vorarlberg ein besonderes Jubiläumsjahr. Der Verein feiert sein 60-jähriges Bestehen unter dem Motto „60 Jahre Mitanand – und kein bisschen leise“ und blickt damit auf sechs Jahrzehnte Einsatz für die Rechte, Interessen und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen zurück.
Einen weiteren wichtigen Meilenstein stellt zudem das 20-jährige Bestehen der Selbstvertretung dar. Seit 2007 setzen sich Selbstvertreter*innen als Expert*innen in eigener Sache aktiv für Mitbestimmung und die Interessen von Menschen mit Behinderungen ein und prägen die Entwicklung der Lebenshilfe Vorarlberg wesentlich mit. Präsidentin Adriane Feurstein würdigte in diesem Zusammenhang das wichtige Engagement der Selbstvertretung: „Es ist zentral, dass die Perspektiven von Menschen mit Behinderungen Gehör finden. Dafür braucht es Menschen, die sich mit großem Engagement für ihre Anliegen einsetzen. Die Selbstvertretung leistet hier seit vielen Jahren einen unverzichtbaren Beitrag – insbesondere auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf. Dafür gebührt ihr große Anerkennung.“
Ebenfalls auf 20 erfolgreiche Jahre kann das Tanzhaus Hohenems zurückblicken. Diese Kooperation der Turnerschaft Hohenems und der Lebenshilfe Vorarlberg verbindet Tanz und Inklusion auf und abseits der Bühne.
Neuwahlen und Ehrungen
Im Zuge der Jahreshauptversammlung wurde auch der Vorstand in seiner bisherigen Zusammensetzung bestätigt. Damit setzt sich das Gremium weiterhin aus Präsidentin Adriane Feurstein, Vizepräsident Samuel Feuerstein, Finanzreferent Werner Summer, Selbstvertreter Klaus Brunner, dem Vorsitzenden des Beirats der Regionen Gerhard Huber sowie Andreas Kappaurer und Johannes Zangerl zusammen.
Ein Höhepunkt der Versammlung war die Ernennung von Helene Fritz zum Ehrenmitglied. In ihrer Funktion als Obfrau der Region Kleinwalsertal von 2012 bis 2025 engagierte sie sich mit großem persönlichem Einsatz für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Zahlreiche von Fritz initiierte Projekte trugen entscheidend dazu bei, Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe in der Region zu stärken.
Für den musikalischen Ausklang sorgte Evelyn Fink-Mennel. Die renommierte Vorarlberger Musikerin begeisterte mit ihrem vielseitigen Spiel und schuf mit ihrer lebendigen und einfühlsamen Darbietung eine besondere Atmosphäre. Dabei entstand ein spürbares Miteinander auf der Bühne und im Publikum, das den Abend stimmungsvoll abrundete.
Der Verein Lebenshilfe Vorarlberg
Die Lebenshilfe Vorarlberg setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 1967 für die Interessen von Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen ein. Im Zentrum stehen dabei Selbstbestimmung, Inklusion und Teilhabe in allen Lebensbereichen. Neben den 593 Mitgliedern umfasst der Verein 287 Freund*innen und 243 Ehrenamtliche und Freiwillige.
