Menschen mit Behinderungen haben die gleichen Lebens- und Wohnbedürfnisse wie alle anderen Menschen auch. Das Führen eines selbstbestimmten Lebens in den eigenen vier Wänden – ob allein, in einer Partnerschaft oder in einer Wohngemeinschaft – gehört dabei zu den wichtigsten persönlichen Wünschen und Zielen. Der Erfolg hängt einerseits von vorhandenen Fähigkeiten und andererseits von gegebenen Möglichkeiten ab. In diesem Spannungsfeld werden viele Fragen aufgeworfen, die Lebenshilfe versucht tragfähige Antworten zu geben.
Inklusives, also ein selbst bestimmtes, frei gewähltes und an der Gesellschaft teilhabendes Leben und Wohnen, darf für Menschen mit Behinderungen – nicht zuletzt als Folge der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen – keine Frage des persönlichen Leistungsvermögens mehr sein. Ein kritischer Blick auf die gegenwärtige Situation im Land zeigt allerdings, dass das Leben in einer eigenen Wohnung überwiegend jenen Menschen mit Behinderungen als Option zur Verfügung steht, die entweder über hohe lebenspraktische und soziale Kompetenzen verfügen oder über eine Familie, die den Verselbstständigungsprozess ihrer Angehörigen in hohem Maße unterstützt und auch trägt.
Mit dem Verbund von einzelnen Wohnungen in gemeinnützigen Wohnanlagen, aber auch bei privaten VermieterInnen, hat die Lebenshilfe Vorarlberg einen guten Rahmen geschaffen, damit privates und inklusives Wohnen von Menschen mit Behinderungen gelingen kann. Der Verbund von mehreren Wohneinheiten bringt auch beste Voraussetzungen für soziale Kontakte, Assistenz und Begleitung. Denn gemeinwesennahes Wohnen ist noch kein Garant für soziale Integration, im Gegenteil, der Bezug einer eigenen Wohnung birgt sogar die Gefahr von Isolation und Vereinsamung.
Gerade in diesem Zusammenhang ist der ganzheitliche und kreative Blick von Dienstleistern gefragt, der nicht nur das Wohnen, sondern den gesamten Lebenskontext des jeweiligen Menschen in seine Angebote
miteinbezieht. Bei der Lebenshilfe Vorarlberg werden über das Beratungsinstrument „zielwärts“ genau diese Fragen gemeinsam mit den KundInnen und ihren Angehörigen erörtert. Eine systemische und ganzheitliche Sicht der Dinge ist dabei wesentlich.
So viel Selbständigkeit und Teilhabe wie möglich, so wenig Assistenz und Einrichtung wie nötig. In diesem Verständnis von Inklusion erklärt sich auch die von der Lebenshilfe vertretene Vielfalt von Wohndienstleistungen. Erklärtes und zu kontrollierendes Ziel ist dabei immer die Lebensqualität des einzelnen Menschen. Was ihm gut tut, ist richtungsweisend. Unsere Erfahrungen in der Begleitung von Menschen mit Behinderungen zeigen, dass dies das Wohnhaus ebenso wie die integrative Wohngemeinschaft, der Wohnverbund ebenso wie das Wohnen in einer eigenen Wohnung oder in einer Kleinwohnanlage leisten kann. Entscheidend ist, dass Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen die Wahl haben und dass sie im Entscheidungsprozess professionell und ergebnisoffen begleitet werden.

Andreas Dipold
GBL Wohnen
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